Der DuMont Verlag brachte jüngst das Magazin „Xtra“ auf den Markt. Zielgruppe sollen junge Leser zwischen 19 und 39 Jahren sein. Für 50 Cent werden dem Leser täglich neben aktuellen Geschehnissen aus dem Raum Köln, auch auf diese Zielgruppe zugeschnittene Themen geboten. Da stutzt man zu Recht: Ein neues Printmedium, welches auch noch eine Zielgruppe bedienen soll, die wischt statt zu blättern, indem sie alle Nachrichten im Web via Smartphone oder Tablet liest? Ist das Projekt nicht schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt?

Die Fachmedien sind voll von Schlagzeilen, wie „Krise der Printmedien: Die Zeitung – heute schon von gestern?“ oder „Naht das Ende der Printmedien?“. Und in solch einer Zeit bringt ein markterfahrener Verlag wie DuMont ein analoges Magazin für junge Menschen auf den Markt. Da drängt sich zunächst mal die Frage nach dem „Warum?“ auf.

Der Absatz von Printmedien sinkt stetig. Die folgende Statistik zeigt wie gleichmäßig der Rückgang vonstattengeht. Betrug die tägliche Auflage 1991 noch gut 27 Millionen, so ist die Auflagestärke in den letzten 12 Jahren um ca. 10 Millionen zurückgegangen.

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Man muss also kein Fachmann sein, um zu erkennen, dass der Markt kleiner wird. Hinzu kommt noch die von DuMont gewählte Zielgruppe. Menschen zwischen 19 und 39 Jahren gehören tendenziell eher nicht mehr zu denjenigen, die sich morgens auf dem Weg zur Arbeit noch eben die aktuelle Tageszeitung am Kiosk holen. Vielmehr verfolgen sie morgens nach (oder gar noch vor) dem Aufstehen oder in der U-Bahn auf dem Arbeitsweg am Smartphone die aktuellsten Geschehnisse.

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Am häufigsten werden von Smartphone Nutzern die Nachrichten sowie Wetter Apps genutzt.

Warum nicht ein Online-Magazin erschaffen?

Zunehmend wandert der Markt also ins Onlinesegment ab. Die zuletzt veröffentlichten Zahlen der größten deutschen Onlinenachrichtenportale sprechen für sich: Bild.de konnte seine Zugriffe im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 50 Prozent auf 128,609 Millionen Klicks steigern. Würden ansatzweise so viele Menschen noch eine Zeitung kaufen, müsste man sich um das Printmedium wohl keine Sorgen machen.

Das neue Magazin von DuMont bleibt demgemäß auch nicht beim Print stehen, sondern bedient mittels seines Onlineauftritts fleißig seine Socialmediakanäle und lädt von Anfang an zur Interaktion ein. Mittels Facebook können die Leser Anregungen oder auch Kritik an die Redaktion übermitteln. Zudem wird ein klassisches Kontaktformular angeboten. Allerdings bleibt abzuwarten, wie das Angebot angenommen wird. Wahrscheinlich ist, dass das Magazin sich in Zukunft hauptsächlich durch Einnahmen aus dem Online Bereich über Wasser hält. Zahlen zur Investitionsverteilung zeigen, dass im Jahr 2015 der Onlinemarkt die Printmedien überholen wird.

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 Neue Innovationen könnten die Brücke zwischen On- und Offline Inhalten schlagen:

Diese Branche hat allerdings schon so manche Überraschung hervorgebracht. UND sie ist durchaus anpassungsfähig und innovationsreich. Ein vorbildliches Beispiel für die Brücke zwischen Off- und Online Medien hat bereits die Zeitung „Die Welt“ vor knapp einem Jahr geliefert. Das Stichwort lautet: „Augmented Reality“. Über die eigene App konnten Inhalte, die speziell gekennzeichnet waren, virtuell zum Leben erweckt werden. Hier das passende Video dazu:

Zu solch faszinierenden Neuentwicklungen, die es schaffen Print wieder attraktiv zu machen, gesellt sich ebenfalls die App „Peekster“. Mit ihr ist es möglich, Überschriften zu scannen und die App sucht dann die passende Online Version des Artikels im Netz. Man kann nun auf einfachstem Wege socialnetworking betreiben und den online gefundenen Artikel mit seinen Freunden teilen.

Bei genauerem Hinschauen erkennt man also die Bemühungen der Printmedien nicht unterzugehen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Branche es schafft sich neu auszurichten. Für Magazine wie „Xtra“ sind solche Neuentwicklungen geradezu prädestiniert. Mit ihnen könnte sich diese Zeitung für eine junge Leserschaft in den Regalen halten.